Zahnstein bei Katzen wird oft als kosmetisches Problem abgetan. Das ist er nicht. Er entsteht, wenn sich Mineralien aus dem Speichel im Zahnbelag ablagern, und er bietet neuem Belag eine raue Oberfläche zum Anhaften. Was daraus entsteht, betrifft nicht nur die Zähne, sondern den ganzen Zahnhalteapparat. Und weil Katzen Schmerzen sehr gut verbergen, fällt es zu Hause oft erst auf, wenn es schon weit gediehen ist.
Wie Zahnstein entsteht
Auf jedem Zahn bildet sich Belag, sogenannter Plaque. Lagern sich darin Mineralien aus dem Speichel ab, wird daraus harter Zahnstein. Wie schnell das geht, ist von Katze zu Katze verschieden. Es hängt unter anderem vom pH-Wert im Maul und von der Mineralzusammensetzung des Speichels ab, also von Dingen, die sich nicht beeinflussen lassen. Deshalb gibt es Katzen mit vorbildlicher Pflege und trotzdem Zahnstein, und andere, bei denen jahrelang wenig passiert.
Wichtig ist der Blick unter den Rand: Der an der Zahnkrone sichtbare Zahnstein ist häufig nur ein Bruchteil dessen, was sich unterhalb des Zahnfleischs abgesetzt hat. Genau dort beginnt der Schaden.
Was daraus werden kann
Bleibt der Belag unter dem Zahnfleisch, entzündet sich das Gewebe. Hält diese Entzündung länger an, greift sie den Zahnhalteapparat an — Fachbegriff Parodontitis. Zahnfleisch geht zurück, der Knochen um die Zahnwurzel wird abgebaut, Zähne lockern sich und können verloren gehen.
Bei Katzen kommt ein zweites Bild dazu: die Gingivostomatitis, eine Entzündung der Mundschleimhäute. Betroffene Katzen haben starke Schmerzen und sind im Allgemeinbefinden deutlich beeinträchtigt. Sie fressen schlecht, ziehen sich zurück und wirken insgesamt matt. Das ist kein Zahnproblem am Rande, sondern eine Erkrankung, die den Alltag der Katze bestimmt.
- Zahnfleischentzündung als erster Schritt
- Parodontitis mit Rückgang von Zahnfleisch und Knochen
- Lockere Zähne bis zum Zahnverlust
- Gingivostomatitis mit starken Schmerzen
- FORL, also Abbau von Zahnsubstanz von innen
FORL: die Katzen-Besonderheit
FORL steht für Feline Odontoklastische Resorptive Läsion; man liest auch Zahnresorption oder Neck Lesion. Dabei wird die Zahnsubstanz von innen abgebaut. Für die Katze ist das ausgesprochen schmerzhaft, von außen aber häufig kaum erkennbar, weil das Zahnfleisch die betroffene Stelle überwächst.
Deshalb ist ein Röntgenbild hier nicht Beiwerk, sondern der einzige verlässliche Weg zur Diagnose. Wir haben ein Dentalröntgen im Haus und einen eigenen Tierzahnarzt, der die Bilder befundet. Ohne diese Kombination bleibt FORL leicht unentdeckt und die Katze weiterhin in Schmerz.
Anzeichen bei der Katze
Katzen zeigen Zahnschmerzen selten deutlich. Achten Sie auf diese Hinweise:
- Sie frisst weniger, zögert vor dem Fressen oder verweigert das Futter ganz.
- Sie lässt Futter aus dem Maul fallen oder kaut nur auf einer Seite.
- Aus dem Maul riecht es unangenehm.
- Sie speichelt vermehrt, manchmal mit Blutspuren.
- Sie verkriecht sich, mag nicht mehr am Kopf gestreichelt werden oder putzt sich schlechter.
Wenn eines davon zutrifft, lohnt sich eine Kontrolle. Bei Katzen ist Zurückhaltung im Verhalten oft das erste und einzige Signal.
Wie wir vorgehen
Zuerst schauen wir uns Ihre Katze im wachen Zustand an, soweit sie das zulässt, und sprechen mit Ihnen über Fressverhalten und Veränderungen. Für die eigentliche Behandlung ist eine Narkose nötig, denn nur dann lässt sich jeder Zahn einzeln beurteilen und auch unter dem Zahnfleischrand reinigen.
Der Zahnstein wird mit Ultraschall gründlich entfernt. Anschließend prüfen wir jeden Zahn: Sitzt er fest? Gibt es Defekte, Löcher, entzündete Taschen? Wo der Befund es verlangt, röntgen wir gezielt, um das Ausmaß unter dem Zahnfleisch und im Knochen zu sehen. Zum Abschluss werden die Zahnoberflächen poliert, damit sich neuer Belag schlechter festsetzt.
Muss ein Zahn gezogen werden, besprechen wir das mit Ihnen. Und ja, das kommt vor: Bei fortgeschrittener FORL oder stark gelockerten Zähnen ist die Entfernung häufig die einzige Möglichkeit, die Katze schmerzfrei zu bekommen. Viele Halter berichten hinterher, dass ihre Katze wieder frisst und zugänglicher wird.
Zur Narkose
Die Narkose ist für die meisten Halter der Punkt mit dem größten Respekt, gerade bei älteren Katzen. Wir arbeiten mit Inhalationsnarkose und überwachen Ihre Katze während des gesamten Eingriffs. Vorher prüfen wir, ob Vorerkrankungen zu berücksichtigen sind; bei Bedarf gehört eine Blutuntersuchung dazu, deren Ergebnis aus dem praxiseigenen Labor noch am selben Tag vorliegt. Zur Behandlung gehört eine Schmerztherapie, damit das Aufwachen ruhig verläuft.
Ein hohes Lebensalter ist für sich kein Grund, eine schmerzhafte Zahnerkrankung nicht zu behandeln. Entscheidend ist der Gesundheitszustand, nicht die Jahreszahl. Was für Ihre Katze gilt, sagen wir Ihnen nach der Voruntersuchung offen.
Was Sie zu Hause tun können
Vollständig verhindern lässt sich Zahnstein nicht, verlangsamen aber schon. Wirksam ist alles, was den Belag reduziert, bevor er hart wird: regelmäßiges Reinigen der Zähne, wenn Ihre Katze das zulässt, sowie geeignete Produkte zur Zahnpflege. Womit man bei einer Katze realistisch weiterkommt, ist sehr individuell — wir zeigen es Ihnen praktisch, statt Ihnen eine Liste mitzugeben.
Und unabhängig davon: einmal im Jahr ins Maul schauen lassen. Das lässt sich gut mit der Vorsorgeuntersuchung verbinden und kostet wenig Zeit. Unsere Praxis liegt in Cremlingen, wenige Minuten östlich von Braunschweig und direkt an der A39-Abfahrt Cremlingen, mit kostenfreien Parkplätzen vor der Tür.

