Manche Wunden heilen nicht so, wie man es sich wünscht. Sie nässen, entzünden sich immer wieder oder kommen über Wochen nicht zur Ruhe. Gerade bei chronischen Wunden, Hautinfektionen und schwer zugänglichen Stellen ist eine schonende, wirksame Behandlung gefragt. Die Kaltplasmatherapie ist ein modernes Verfahren, das genau hier ansetzt. Dieser Überblick erklärt, was Kaltplasma ist, wie es wirkt, bei welchen Wunden es sinnvoll sein kann und wie eine Behandlung in unserer Praxis in Cremlingen abläuft.

Was Kaltplasma ist

Plasma wird häufig als der vierte Aggregatzustand bezeichnet, neben fest, flüssig und gasförmig. Es entsteht, wenn einem Gas Energie zugeführt wird und es dadurch teilweise ionisiert: Aus den neutralen Gasteilchen lösen sich elektrisch geladene Teilchen. In der Natur begegnet uns Plasma etwa in Form von Blitzen oder Polarlichtern.

Für die medizinische Anwendung wird sogenanntes kaltes Plasma genutzt. Anders als heiße Plasmen entsteht es bei Raumtemperatur und fühlt sich auf der Haut nicht heiß an. Im kalten Plasma bilden sich reaktive Sauerstoff- und Stickstoffspezies, chemisch aktive Teilchen, die für die Wirkung auf der Wunde entscheidend sind. Weil das Plasma kalt bleibt, lässt es sich direkt auf empfindliches Gewebe richten, ohne es durch Wärme zu schädigen. Die Behandlung wird dadurch schmerzfrei.

Die vier Aggregatzustände: fest, flüssig, gasförmig und Plasma — Plasma entsteht, wenn einem Gas weiter Energie zugeführt wird.
Plasma als vierter Aggregatzustand. Bildquelle: neoplas med GmbH

Wie die Kaltplasmatherapie wirkt

Die Wirkung des Kaltplasmas beruht auf den reaktiven Sauerstoff- und Stickstoffspezies, die unmittelbar an der Wundoberfläche entstehen. Diese Teilchen wirken gegen Bakterien, Viren und Pilze: Sie schädigen die Zellhülle und das Erbgut der Krankheitserreger, sodass diese absterben. Krankheitserreger sind dabei deutlich empfindlicher als die Zellen des Tieres. Gesundes Gewebe wird durch die kurze, gezielte Anwendung nicht angegriffen.

Über die Keimreduktion hinaus kann Kaltplasma die Wundheilung unterstützen. Die reaktiven Teilchen regen die Zellneubildung an, fördern die Durchblutung des Wundgebiets und unterstützen die Bildung neuer Blutgefäße. Eine gut durchblutete Wunde mit aktivem Zellstoffwechsel hat bessere Voraussetzungen, sich zu schließen. So verbindet die Kaltplasmatherapie zwei Ansätze: Sie reduziert die Keimlast und schafft zugleich günstigere Bedingungen für die körpereigene Heilung.

Unser Gerät: Argon-Jetplasma (kINPen VET)

In unserer Praxis setzen wir hochwertiges Argon-Jetplasma ein, den kINPen VET des Greifswalder Herstellers neoplas. Das CE-zertifizierte Medizinprodukt erzeugt das kalte atmosphärische Plasma (englisch Cold Atmospheric Plasma, CAP) aus dem Edelgas Argon und gibt es als feinen, gebündelten Plasmastrahl ab. Dadurch lässt sich die Wundfläche punktgenau und berührungslos behandeln, auch in Vertiefungen, Hautfalten und an schwer zugänglichen Stellen. Die Temperatur am Gewebe bleibt unter 40 °C, die Anwendung ist schmerzfrei.

Der „Jet" steht für den gerichteten Plasmastrahl: Anders als flächige Verfahren erreicht das Argon-Jetplasma auch zerklüftete Wundränder und Nischen gezielt. So vereint es zwei Effekte in einem Schritt. Es inaktiviert ein breites Spektrum an Mikroorganismen, auch multiresistente Keime wie MRSA, und regt zugleich die Zell- und Geweberegeneration an.

kINPen Plasmajet-System von neoplas — Steuergerät und Handstück zur Erzeugung von kaltem Argon-Plasma.
Der kINPen-Plasmajet von neoplas (abgebildet: das humanmedizinische kINPen MED). In unserer Praxis kommt die tiermedizinische Variante kINPen VET zum Einsatz. Bildquelle: neoplas med GmbH

Die Kaltplasma-Technologie des kINPen ist das Ergebnis jahrelanger wissenschaftlicher Zusammenarbeit der neoplas med GmbH mit dem Leibniz-Institut für Plasmaforschung und Technologie (INP), der Universitätsmedizin Greifswald, der Charité Berlin und weiteren Forschungs- und Industriepartnern. Der humanmedizinische kINPen MED war weltweit der erste CE-zertifizierte Plasmajet, der als Medizinprodukt der Klasse IIa zur Behandlung chronischer Wunden und erregerbedingter Hauterkrankungen zugelassen wurde.

Aus der Forschung: Eine humanmedizinische Pilotstudie der Uniklinik Köln (Werra et al., Journal of Clinical Medicine 2025) untersuchte die einmalige intraoperative Anwendung von Argon-Jetplasma an offenen Leisteninzisionen bei Hochrisiko-Patient:innen. Ergebnis: Die Rate revisionspflichtiger Wundheilungsstörungen sank von 32 % in der Kontrollgruppe auf 8 % in der Plasmagruppe, eine relative Reduktion von rund 75 %. Die Übertragbarkeit auf den Einzelfall in der Tiermedizin besprechen wir individuell mit Ihnen.

Wirkkomponenten & Wirkprinzip

Was kaltes Plasma von anderen physikalischen Verfahren unterscheidet, ist sein ganzes Bündel an Wirkkomponenten. Sie wirken gemeinsam keimtötend und stoßen zugleich biologische Wundheilungsprozesse an.

Wirkkomponenten von kaltem Plasma: reaktive Spezies, geladene Teilchen, UV-Strahlen, sichtbares Licht, elektromagnetische Felder und Wärme.
Die Wirkkomponenten des kalten Plasmas. Bildquelle: neoplas med GmbH

Die physikalischen Wirkkomponenten

  • Reaktive Spezies (z. B. H₂O₂, O₃, NO, HNO₃)
  • Freie Radikale, Ionen und Elektronen (geladene Teilchen)
  • Elektromagnetische Felder
  • Schwache UV-Strahlung & sichtbares Licht
  • Gewebeverträgliche Wärme (Temperatur am Gewebe < 40 °C)

Die biologische Wirkung

  • Inaktivierung eines breiten Erreger-Spektrums, auch multiresistenter Keime wie MRSA
  • Förderung der Mikrozirkulation, also bessere Sauerstoff- und Nährstoffversorgung des Gewebes
  • Stimulation der Geweberegeneration (Zellneubildung) bis in tiefe Hautschichten

Wann eine Behandlung sinnvoll ist

Die Kaltplasmatherapie kann bei einer Reihe von Wund- und Hautproblemen unterstützen. Häufige Anwendungsbereiche sind:

  • Chronische und schlecht heilende Wunden, die über längere Zeit nicht zur Ruhe kommen
  • Chronische Hautinfektionen, die auf andere Maßnahmen nur langsam ansprechen
  • Wunden mit multiresistenten Erregern wie MRSA, bei denen Antibiotika an Grenzen stoßen
  • Verbrennungen und oberflächliche Hautverletzungen
  • Wunden an schwer zugänglichen Stellen wie Hautfalten oder Ohren, an denen ein Verband schlecht hält

Ob die Kaltplasmatherapie für Ihr Tier geeignet ist, hängt von Art, Lage und Ursache der Wunde ab. Diese Einschätzung treffen wir nach einer Untersuchung in der Praxis. Häufig wird Kaltplasma als Baustein einer umfassenderen Wundbehandlung eingesetzt, zusammen mit der Reinigung der Wunde und gegebenenfalls weiteren Maßnahmen.

Ablauf einer Behandlung in der Praxis

Am Anfang steht eine Untersuchung der Wunde. Wir beurteilen, wie ausgedehnt sie ist, ob eine Infektion vorliegt und welche Behandlung sinnvoll ist. Erst danach entscheiden wir gemeinsam mit Ihnen, ob die Kaltplasmatherapie zum Einsatz kommt.

Für die Anwendung wird die Plasmaquelle nahe an die Wundoberfläche geführt. Das kalte Plasma erreicht so direkt das betroffene Gewebe. Eine einzelne Behandlung dauert in der Regel nur wenige Minuten. Weil das Plasma kalt ist und nicht weh tut, halten die meisten Tiere die Sitzung ruhig aus, eine Sedierung oder Narkose ist üblicherweise nicht erforderlich. Das macht die Behandlung auch für ältere oder geschwächte Tiere gut verträglich.

Wie viele Sitzungen nötig sind, lässt sich nicht pauschal sagen. Es hängt von der Art der Wunde und ihrem Heilungsverlauf ab. Oft sind mehrere kurze Behandlungen in einem festgelegten Abstand sinnvoll. Wir beobachten, wie die Wunde anspricht, und passen den Behandlungsplan an. Zwischen den Sitzungen besprechen wir mit Ihnen, worauf Sie zu Hause achten sollten.

Vorteile der Kaltplasmatherapie

Die Kaltplasmatherapie bietet im Rahmen der Wundversorgung mehrere Vorteile. Sie ist schmerzfrei, da das Plasma bei Raumtemperatur erzeugt wird und nicht heiß ist. Weil die Behandlung von den meisten Tieren gut toleriert wird, kommt sie in der Regel ohne Sedierung aus. Das Verfahren wirkt gezielt gegen Bakterien, Viren und Pilze an der Wundoberfläche, ohne gesundes Gewebe durch Wärme zu schädigen.

Ein weiterer Punkt betrifft den Umgang mit Antibiotika. Da Kaltplasma die Keime direkt an der Wunde reduziert, kann es eine Antibiotikabehandlung ergänzen und in geeigneten Fällen den Bedarf verringern. Gerade bei Wunden mit multiresistenten Erregern ist das ein wichtiger Aspekt. Ob und in welchem Umfang sich der Antibiotikaeinsatz anpassen lässt, entscheiden wir jedoch immer im Einzelfall, die Therapieentscheidung treffen wir auf Grundlage der Untersuchung.

Die Anwendung lässt sich zudem bei Tieren aller Größen einsetzen, vom Heimtier über die Katze bis zum großen Hund. Auch Wunden an Stellen, an denen ein Verband schlecht hält, lassen sich gut erreichen.

Was Kaltplasma leisten kann — und was nicht

So hilfreich die Kaltplasmatherapie sein kann: Sie ist ein Baustein der Wundbehandlung, kein Ersatz für eine gründliche tiermedizinische Abklärung. Eine schlecht heilende Wunde hat oft eine Ursache, die zuerst gefunden und behandelt werden muss, etwa eine Grunderkrankung, ein Fremdkörper oder eine ungünstige Belastung der Wunde.

Diese Seite ersetzt daher keine Untersuchung in der Praxis. Wenn die Wunde Ihres Tieres nicht abheilt, sich entzündet oder Ihnen Sorgen bereitet, klären wir die Ursache zunächst gemeinsam ab und legen dann fest, welche Behandlung die richtige ist, ob mit oder ohne Kaltplasma.

Kaltplasmatherapie in Cremlingen und der Region

Unsere Praxis in Cremlingen ist gut erreichbar für Tierhalter aus Braunschweig, Königslutter am Elm, Wolfenbüttel und Wolfsburg. Wenn Ihr Tier eine Wunde hat, die nicht abheilen will, oder eine hartnäckige Hautinfektion zeigt, vereinbaren Sie gern einen Termin. Wir beraten Sie persönlich und prüfen, ob die Kaltplasmatherapie infrage kommt.

Häufige Fragen

Gut zu wissen rund um die Kaltplasmatherapie.

Ist die Kaltplasmatherapie für mein Tier schmerzhaft?

Nein. Das Plasma wird bei Raumtemperatur erzeugt und ist nicht heiß. Die Behandlung ist schmerzfrei und wird von den meisten Tieren ruhig toleriert, sodass in der Regel keine Sedierung nötig ist.

Welches Kaltplasma-Gerät setzen Sie ein?

Wir arbeiten mit hochwertigem Argon-Jetplasma, dem CE-zertifizierten kINPen VET des Herstellers neoplas (Greifswald). Das Gerät erzeugt kaltes atmosphärisches Plasma aus dem Edelgas Argon und gibt es als feinen, gebündelten Strahl ab. So lässt sich die Wunde punktgenau, berührungslos und bei unter 40 °C behandeln.

Bei welchen Wunden ist Kaltplasma sinnvoll?

Die Kaltplasmatherapie kann bei schlecht heilenden oder chronischen Wunden, Hautinfektionen, Verbrennungen sowie bei Wunden mit multiresistenten Erregern unterstützen. Ob sie im Einzelfall geeignet ist, klären wir nach einer Untersuchung.

Ersetzt die Kaltplasmatherapie Antibiotika?

Kaltplasma wirkt gegen Bakterien, Viren und Pilze direkt an der Wundoberfläche und kann den Einsatz von Antibiotika ergänzen oder in geeigneten Fällen verringern. Ob und in welchem Umfang das möglich ist, entscheiden wir individuell.

Wie viele Behandlungen sind nötig?

Das hängt von Art und Verlauf der Wunde ab. Häufig sind mehrere kurze Sitzungen in einem festgelegten Abstand sinnvoll. Wir beobachten den Heilungsverlauf und passen den Plan an.

Für welche Tiere eignet sich die Kaltplasmatherapie?

Die Behandlung lässt sich bei Tieren aller Größen anwenden, vom Heimtier über die Katze bis zum großen Hund. Da sie schonend ist, kommt sie auch für ältere oder geschwächte Tiere infrage.

Einblicke

Ein Blick in unsere Praxis

Helle Räume, moderne Technik und ein eingespieltes Team. So sieht der Ort aus, an dem Ihr Tier behandelt wird.

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