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Die Anaplasmose ist eine Infektionskrankheit, die durch Bakterien der Gattung Anaplasma ausgelöst wird. Übertragen werden die Erreger durch den Stich infizierter Zecken, vor allem des Gemeinen Holzbocks, der in unserer Region weit verbreitet ist. Hunde erkranken häufiger sichtbar als Katzen. Da die Beschwerden oft unspezifisch sind, wird die Anaplasmose nicht immer sofort erkannt. Ein konsequenter Zeckenschutz ist deshalb die wichtigste Vorsorge, die Sie für Ihr Tier leisten können.
Wie es zu einer Infektion kommt
Sticht eine infizierte Zecke ein Tier, gelangen die Erreger beim Saugakt in den Blutkreislauf. In der Regel muss die Zecke dafür einige Stunden saugen, bevor eine Übertragung stattfindet. Genau hier setzt die Vorbeugung an: Je schneller eine Zecke entdeckt und entfernt wird, desto geringer ist das Übertragungsrisiko. Die Erreger befallen anschließend bestimmte weiße Blutkörperchen und können dort eine Entzündungsreaktion auslösen, die den ganzen Körper betreffen kann.
Wann besteht ein erhöhtes Risiko?
Zecken sind vor allem in den milderen Monaten aktiv. In gemäßigten Wintern werden sie jedoch zunehmend ganzjährig angetroffen, weil sie schon bei wenigen Grad über null wieder auf Wirtssuche gehen. Besonders hoch ist das Risiko in hohem Gras, an Waldrändern, in Gebüsch, an Wegrändern und auf Wiesen. Hunde, die viel draußen unterwegs sind und durch Unterholz streifen, kommen häufiger mit Zecken in Kontakt. Auch im eigenen Garten können Zecken lauern.
Wie die Erkrankung verläuft
Nicht jedes infizierte Tier erkrankt sichtbar. Viele Tiere zeigen gar keine Beschwerden, weil ihr Immunsystem die Erreger in Schach hält. Wenn Symptome auftreten, sind sie oft vieldeutig und können leicht mit anderen Erkrankungen verwechselt werden. Manche Tiere erkranken erst Wochen nach dem Zeckenstich, wenn der Zusammenhang kaum noch erkennbar ist. Das macht die Anaplasmose nicht immer leicht zu erkennen.
Mögliche Anzeichen
- Fieber, Mattigkeit und ein verminderter Appetit,
- Bewegungsunlust oder eine wechselnde Lahmheit, die mal das eine, mal das andere Bein betrifft,
- blasse Schleimhäute,
- geschwollene oder schmerzhafte Gelenke,
- vergrößerte Lymphknoten,
- seltener Erbrechen, Durchfall oder kleine Einblutungen in Haut und Schleimhäute.
Warum die Symptome leicht übersehen werden
Da Mattigkeit und Appetitlosigkeit bei vielen Erkrankungen auftreten, denkt man nicht sofort an eine Zeckenkrankheit. Wechselnde Lahmheiten werden manchmal für eine harmlose Verstauchung gehalten. Wenn solche Beschwerden länger anhalten, immer wiederkehren oder von Fieber begleitet werden, sollte eine Infektion in Betracht gezogen werden.
Diagnose
Weil die Beschwerden so unspezifisch sind, ist eine sorgfältige Untersuchung wichtig. Eine Blutuntersuchung kann typische Veränderungen zeigen, etwa eine verminderte Zahl der Blutplättchen. Spezielle Tests weisen die Erreger oder die Reaktion des Körpers auf sie nach und helfen, die Diagnose abzusichern. Sehr hilfreich ist, wenn Sie uns mitteilen, ob Ihr Tier zuvor Zecken hatte oder sich in einem Gebiet mit hohem Zeckenaufkommen aufgehalten hat. Diese Information erleichtert die Einordnung der Befunde erheblich.
Behandlung
Eine Anaplasmose lässt sich in der Regel mit Medikamenten gut behandeln. Viele Tiere erholen sich nach Beginn der Behandlung zügig und das Allgemeinbefinden bessert sich oft schon innerhalb weniger Tage. Wichtig ist, dass die Therapie tierärztlich begleitet und vollständig über die empfohlene Dauer durchgeführt wird, auch wenn es dem Tier schon besser geht. So wird der Verlauf kontrolliert und ein Rückfall vermieden. Gelegentlich sind unterstützende Maßnahmen nötig, etwa wenn das Tier sehr matt ist oder kaum frisst.
Begleitung in der Genesungsphase
Während der Behandlung sollte Ihr Tier es ruhig angehen. Schonung, ein warmer Rückzugsort und ausreichend frisches Wasser unterstützen die Erholung. Beobachten Sie, ob Fressverhalten, Beweglichkeit und Munterkeit Schritt für Schritt zurückkehren. Bleibt die Besserung aus oder verschlechtert sich der Zustand wieder, sollte das Tier erneut vorgestellt werden, damit der Verlauf neu beurteilt werden kann.
Anaplasmose und andere Zeckenkrankheiten
Zecken können neben Anaplasma auch andere Erreger übertragen, etwa die der Borreliose oder der Babesiose. Eine Zecke kann mehrere Erreger gleichzeitig in sich tragen. Deshalb wird bei unklaren Beschwerden nach einem Zeckenstich oft an mehrere mögliche Infektionen gedacht. Das unterstreicht, wie wichtig ein lückenloser Zeckenschutz ist: Er schützt nicht nur vor einer einzelnen Erkrankung.
Vorbeugung
Die beste Vorbeugung ist, Zeckenstiche zu verhindern oder Zecken früh zu entfernen:
- ein konsequenter, auf das Tier abgestimmter Zeckenschutz über die gesamte Saison,
- regelmäßiges, gründliches Absuchen des Fells nach jedem Spaziergang, besonders an Kopf, Hals, Ohren und zwischen den Zehen,
- das zeitnahe und vollständige Entfernen entdeckter Zecken mit einer geeigneten Zeckenzange oder -karte,
- Vorsicht beim Aufenthalt in Gebieten mit dichtem Bewuchs.
Beim Entfernen sollte die Zecke möglichst hautnah gefasst und gleichmäßig herausgezogen werden, ohne sie zu quetschen. Gern beraten wir Sie zu einem geeigneten Schutz für Ihr Tier. Bei anhaltenden Beschwerden, Fieber oder einer Verschlechterung des Allgemeinbefindens sollten Sie Ihr Tier in unserer Praxis vorstellen. Eine tierärztliche Untersuchung ersetzt dieser Ratgeber nicht.
Anaplasma phagozytophilum: Deutschlands erste flächendeckend endemische Rickettsiose
Die deutsche Reiselust bringt die Ausbreitung tropischer und subtropischer Erkrankungen mit sich. So gibt es in Bayern und den Rhein entlang Infektionen ortsständiger Hunde mit Ehrlichia canis. Die Infektion mit Anaplasma phagozytophilum, einer weiteren Rickettsie, ist inzwischen sogar überall in Deutschland möglich. Bei Hunden mit hohem Fieber, orthopädischen und/oder neurologischen Symptomen und Gerinnungsstörungen oder Anämie muss daher auch ohne jeden Auslandsaufenthalt an eine Anaplasmose gedacht werden. Inzwischen liegen auch Berichte zur Infektion von Katzen vor.
Verlauf
Das akute Stadium dauert bei den Rickettsiosen nach einer Inkubationszeit von 8 - 20 Tagen zwei bis vier Wochen. Daran schließt sich die subklinische Phase an. Sie kann 40 Tage aber auch Jahre dauern. In dieser Zeit sind die Hunde klinisch unauffällig. Immunkompetente Hunde können in diesem Zeitraum die Erreger eliminieren. Wenn dies nicht passiert, folgt die chronische Phase der Infektion mit meist zyklischem Verlauf. Dieser ist durch wechselndes Fieber und eine Parasitämie gekennzeichnet. Es erfolgt ein vermehrter Thrombozytenabbau. Die Thrombozytendysfunktion erhöht die Blutungsneigung und kann zur Anämie führen. Es werden antierythrozytäre Antikörper gebildet.
Die Erkrankung ist von Anbeginn an multisystemisch und weist eine große Varietät an Symptomen auf. Während in der akuten Phase hohes Fieber (>41°C) vorliegt, kann im chronischen Stadium wechselndes Fieber beobachtet werden. Phasen schwerer Beschwerden wechseln mit beschwerdefreien Intervallen ab, sodass häufig der Eindruck einer klinischen Besserung entsteht. Während bei E. canis Beschwerden im Verdauungstrakt im Vordergrund stehen, fällt die Anaplasmose durch orthopädische und neurologische Ausfälle auf. Im Vordergrund stehen wechselnde Lahmheiten als Folge einer Polyarthropathie und neurologische Manifestationen wie Anfälle, Stupor, Ataxie, Anisokorie und Hyperästhesie durch entzündungs- oder blutungsbedingte Meningitis mit Zerstörung von Nervengewebe. Wie die anderen Reisekrankheiten ist auch die Anaplasmose häufig von anderen von Zecken übertragenen Krankheiten begleitet. So kommt bei Infektionen im Mittelmeerraum jede Kombination mit anderen Reisekrankheiten, bei Infektionen im Inland häufig Borreliose vor. Aufgrund der orthopädischen Beschwerden besteht demnach nicht nur Verwechslungsgefahr mit der Borreliose, es können sogar beide Infektionskrankheiten gemeinsam auftreten.
Übertragung
Die Übertragung des Erregers erfolgt in Deutschland durch Ixodes ricinus (gemeiner Holzbock), während im Mittelmeerraum die braune Hundezecke (Rhipicephalus sanguineus) als Überträger fungiert. Deshalb ist die Verwendung eines repellierenden Zeckenschutzes wertvoll.
Diagnose
Die Diagnose kann oft schon im Blutausstrich nach der gewohnten hämatologischen Färbung gestellt werden: In ein bis 20 Prozent der neutrophilen Granulozyten lassen sich wie bei anderen Ehrlichiosen Einschlusskörperchen wie in Abb. 1 dargestellt nachweisen.
Zahlreiche Infektionen verlaufen ohne immunologische Reaktion. Es kann also trotz massiver Infektion eine Antikörperbildung ausbleiben. Daher ist ein negativer Antikörpertiter nicht verlässlich und nur der positive IgG-Titer beweisend. Bei zwei aufeinander folgenden Untersuchungen im Abstand von 14 Tagen steigt der Titer im akuten Stadium um mindestens zwei Stufen. Ab einem Titer von 1:160 ist bei passendem klinischem Bild die Diagno- se wahrscheinlich. Der Grenztiter kann aber von Labor zu Labor variieren. Es gibt eine Kreuzreaktivität zu manchen Ehrlichien-Stämmen.
In der PCR lässt sich der Erreger sowohl in der akuten als auch in der chronischen Phase so gut wie immer nachweisen. Da die PCR mit Verschwinden der Erreger negativ wird, eignet sie sich auch zur Thera- piekontrolle, während die Antikörpertiter lange positiv bleiben. Bei chronischer Anaplasmose kann in einer Phase ohne klinische Beschwerden und Bakteriämie der Nachweis im Knochenmark geführt werden.
Therapie
Die Anaplasmose wird in der Regel mit einem Antibiotikum behandelt. Welches Mittel geeignet ist und wie lange es gegeben wird, legt die Tierärztin oder der Tierarzt individuell fest. Bei schweren Verläufen können zusätzlich unterstützende Maßnahmen wie Infusionen oder Bluttransfusionen notwendig sein. Liegt gleichzeitig eine andere Zeckenerkrankung wie Babesiose oder Borreliose vor, wird auch diese mitbehandelt. Mit einer rechtzeitigen Behandlung ist die Prognose meist gut.
Bei anhaltenden Beschwerden, Unsicherheiten oder einer Verschlechterung des Allgemeinbefindens sollten Sie Ihr Tier in unserer Praxis vorstellen. Eine tierärztliche Untersuchung ersetzt dieser Ratgeber nicht.